Der Herr der Maden lässt Cottbus erschaudern
Cottbus Mark Benecke ist der berühmteste Kriminalbiologe der Welt: Der Forensiker untersucht unter anderem für die Polizei Leichen auf Larven und Käfer - das können die wichtigsten Spuren für die Aufklärung eines Mordes sein. Am Samstag erzählt er im Cottbuser Glad-House, wie faszinierend eine verwesenden Leiche sein kann. Die RUNDSCHAU sprach mit ihm vorher darüber.
Jeder der will. Bei öffentlichen Sachverständigen ist es so, dass sie Aufträge eigentlich von allen wahrnehmen müssen, aber letztlich kann man trotzdem ablehnen. Jeder kann mich beauftragen: Knackis bis Staatsanwalt und alles dazwischen, sehr oft auch Eltern von Verschwundenen, meistens Kindern oder Großeltern, der Richter selbst teilweise und auch Anwälte. Manchmal auch Presse, aber das ist eigentlich selten.
Welche Aufträge lehnen Sie ab?
Ich habe noch nie welche abgelehnt. Ich war Anfang dieses Jahres bei der Bundestagung der Bundessachverständigen und da ist es so, dass viele Aufträge ablehnen aus finanziellen Gründen. Ich bin mit Sicherheit der mit Abstand am wenigsten Verdienende von allen bundesweit, weil das Dumme ist, dass unsere Klienten sowieso kein Geld haben. Wenn ich nur nach dem Geld schauen würde, dann dürfte ich eigentlich überhaupt keine Aufträge mehr annehmen. Wir haben naturgemäß mit sehr vielen extrem sozial schwachen Menschen zu tun oder – was eigentlich noch ein viel größeres Problem ist – dass die Leute sehr, sehr viel Geld für Anwälte ausgegeben haben und damit schon pleite sind. Mehrere unserer Klienten hatten sich fürs Alter Geld zurückgelegt, teilweise recht hohe fünfstellige Beträge, und das Geld ist dann für Anwälte drauf gegangen. Und wenn sie dann zu uns kommen, dann ist natürlich nichts mehr da. Das sind die Aufträge, die die anderen ablehnen. Zu Recht natürlich auch. Es gibt natürlich auch Fälle, wo andere Sachverständige gar nichts mit zu tun haben, weil sie nichts mit Strafsachen zu tun haben. Die anderen kümmern sich um Schimmel in Gebäuden oder Glasschmelze oder kaputte Handys oder sonst irgendwas.
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Erstellt am: 05. November 2009, 22:54 Uhr
Geändert am: 05. November 2009, 23:03 Uhr
Autor: Es fragte Sven Bock
