04. Januar 2010, 00:00 Uhr

„Auf hoher See“ von Slawomir Mrozek hatte am Staatstheater Cottbus Premiere

Cottbus Grotesk, komisch, absurd: Das sind die Schlagworte, wenn von Slawomir Mrozeks Theaterstücken die Rede ist. Die Stücke des 1930 geborenen Autors untersuchen die Widersprüche und Absurditäten eines gesellschaftlichen Alltags, der einst der reale Sozialismus war. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings ging er 1968 nach Paris ins Asyl, seit 1996 lebt er wieder in seiner Heimatstadt Krakau. Sein Einakter „Auf hoher See“, der als dritter Abend der Cottbuser Spielwut-Reihe Premiere hatte, ist komödiantisches Denktheater.

Gunnar Golkowski als mittlerer Schiffbrüchiger, Rolf-Jürgen Gebert als dicker Schiffbrüchiger und Roland Schroll als der schmächtige Schiffbrüchige (v. l.). Foto: Kross Foto: Kross
Er wirkt, als habe er sich verlaufen, der linkische Mann im bunt karierten Pullover, der mit dem Einkaufsbeutel am Arm und der Eintrittskarte in der Hand ins Foyer der Cottbus er Kammerbühne stolpert und uns fröhlich von grotesken Erlebnissen erzählt, die er einfach so hingenommen hat. Denn er ist stolz, immer „rational“ zu denken. Deshalb verlor er ein Bein an ein Krokodil in seinem Schlafzimmer, bevor er schließlich die zivilisierten Normen überschritt und das Tier erwürgte. Selbst dass er, der wegen einer Blinddarmoperation ins Krankenhaus ging, versehentlich erst zu einer Frau und später zu einem Kind umoperiert wurde, nimmt er mit seinem Grundvertrauen in gesellschaftliche Logik irgendwie hin.  So wie der Schauspieler Jan Hasenfuß die absurden Ereignisse in den Texten des polnischen Satirikers und Dramatikers Slawomir Mrozek nicht interpretatorisch ausstellt, sondern sie treuherzig als Alltäglichkeiten akzeptiert und erzählt, wird die Absurdität einer beim Wort genommenen „normalen“ gesellschaftlichen Realität auf für das Publikum gelächterträchtige Weise deutlich.

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Erstellt am: 04. Januar 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. Januar 2010, 09:25 Uhr
Autor: Von Hartmut Krug

Von Hartmut Krug