Sorbischer Autor Jurij Koch stellt die tragisch-schöne Erzählung „Am Ende des Tages“ vor
Cottbus
Ein echter Fall aus den Gerichtsakten: Im Jahr 1794 wurde der sorbische Hirtenjunge George Rietscher aus Horka wegen mehrfacher Brandstiftung enthauptet. In „Am Ende des Tages“ hat der Cottbuser Autor Jurij Koch ausgesponnen, was den Jungen zu seinen Taten trieb. Am Mittwochabend stellte er die ergreifende Erzählung in der Cottbuser Stadtbibliothek beim Leseherbst vor.
Jurij Koch bei der Lesung aus „Am Ende des Tages“ in Cottbus. Foto: Michael Helbig Foto: Michael Helbig
Normalerweise ist Musik bei Literaturabenden nur nettes Beiwerk, Entspannung zwischen den Kapiteln, sie hat mit dem vorgestellten Buch nichts zu tun. Diesmal war das anders. Die alten Volkslieder vom Schinderhannes und anderen Gräueln, die „Wacholder“-Sänger Matthias Kiesling emphatisch vortrug, passten zu „Am Ende des Tages“ wie die Faust aufs Auge, oder besser geschrieben: wie das Beil in den Nacken. Dort, im Nacken, bemerkte Klaus Wilke, der Cottbuser Literaturexperte und Moderator des Abends, spürten die Zuhörer während der ganzen Lesung einen „Phantomschmerz“.
„Am Ende des Tages“ beginnt nämlich damit, dass der arme George Rietscher, sorbisch Jurij Rycer, mit dem Pferdewagen von Bautzen nach Zescha gebracht wird – zu seiner Enthauptung. Auf ihn wartet: „Ein kurzer Schmerz nur, wenn das Beil den Hals berührt. Dann nichts mehr, nichts mehr, dann nur noch Dunkelheit.“