15. April 2010, 15:15 Uhr

WDR mottet «Hallo Ü-Wagen» ein

Köln (dpa) Der Westdeutsche Rundfunk spart «Hallo Ü-Wagen» ein, eine seiner bekanntesten und ältesten Radiosendungen. Zum Jahreswechsel werde «Hallo Ü-Wagen» als wöchentliche Sendung beendet, teilte der WDR am Donnerstag in Köln mit. «Hallo Ü-Wagen» sei nicht mehr zeitgemäß und die Hörerzahl rückläufig.

Die Absetzung geschieht gegen den Willen des Rundfunkrats. «Der Rundfunkrat hat sich für den Erhalt von "Hallo Ü-Wagen" eingesetzt, aber die Entscheidung einer solchen Programmfrage liegt bei der Führung des WDR», sagte die Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi der Nachrichtenagentur dpa. «Der Rundfunkrat hat eindeutig gesagt, dass er es bedauert, wenn die Sendung gänzlich eingestellt wird.» Nach Angaben des WDR soll die Marke «Hallo Ü-Wagen» noch für Sondersendungen genutzt werden.

Die mehrstündige Live-Sendung kommt jeweils aus einem anderen Ort in Nordrhein-Westfalen und kostet deshalb viel Geld; der WDR muss aber drastisch sparen.

«Hallo Ü-Wagen» kam 1974 ins Programm - es war die Zeit von «Mehr Demokratie wagen». Unter Anleitung von Moderatorin Carmen Thomas ging der größte ARD-Sender daran, ganz normale Hörer mit Politikern und Experten zusammenzubringen, und zwar nicht in der demütigen Manier von «Bürger fragen - Politiker antworten», sondern eher nach dem Motto: «Jetzt reden wir mal Tacheles!»

Auch bei Schnee und Regen strömten die Leute zum Ü-Wagen, um ihre Meinung zu sagen. Kritisches Nachfragen, Rede und Gegenrede - viele haben das so richtig erst bei «Hallo Ü-Wagen» erlebt. Immer wieder ist hervorgehoben worden, dass die Sendung wesentlich zur Diskussionskultur beigetragen hat. Oft ging es aber auch um Alltagsthemen wie Hausbegrünung oder Milben - und das Zuschauer-Echo war dann häufig besonders groß, denn meist steckte mehr dahinter, als man gedacht hätte.

Im Januar hatte der WDR nach einem Bericht der dpa bereits bestätigt, dass eine Absetzung der Sendung erwogen werde. Carmen Thomas appellierte damals an den Sender, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken: «Mit einer solchen Marke so umzugehen - das halte ich für einen großen Fehler.»

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Erstellt am: 15. April 2010, 15:15 Uhr
Geändert am: 15. April 2010, 15:22 Uhr
Autor: Von Christoph Driessen, dpa

Von Christoph Driessen, dpa