Vadim Glowna – Charakterkopf des deutschen Films
Zum Tod des viel gefragten Schauspielers
Berlin Er war ein viel gefragter Schauspieler, Fernsehzuschauer kennen sein Gesicht. Vadim Glowna starb mit 70 Jahren. Noch Ende 2011 stand er vor der Kamera.
Glowna war noch bis zuletzt aktiv, so war er in der ZDF-Saga „Borgia“ zu sehen und spielte in der ARD-Serienfolge „Bloch – Die Fremde“ mit. Ende 2011 drehte er in Italien mit Rudolf Thome „Ins Blaue“, in Australien stand er für den TV-Film „Jack Irish – Bad Debts“ vor der Kamera.
Geboren wurde der Schauspieler in Eutin (Schleswig-Holstein), seinen Nachnamen verdankte er seinem polnischstämmigen Adoptiv-Vater. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Glowna in den Nachkriegs-Trümmern von Hamburg und im Internat an der Ostsee.
In Frankreich verlebte er wilde Monate, trank unter den Brücken von Paris mit den Clochards Rotwein und brach auf der Suche nach Essen in Ferienhäuser ein. In seiner Biografie beteuert er, dabei stets einen Zettel mit „Merci“ hinterlassen zu haben. Glowna konnte auch ein Hallodri sein. Als Junge brach ihm bei einer Schlägerei die Nase, die ihn mit zur „Type“ machte.
Während seiner Ausbildung zum Schauspieler schlug er sich als Nachtpage und Seemann durch, bis er 1961 von Gründgens am Hamburger Schauspielhaus vom Statisten zur Sprechrolle in „Faust II“ befördert wurde – der Beginn seiner Bühnenkarriere. Am Bremer Theater gab er unter Zadeks Regie den Melchior in Wedekinds „Frühlingserwachen“ und den Karl Moor in Schillers „Räubern“ – für Glowna war es „die Schule überhaupt“.
Sein Filmdebüt hatte Glowna 1964 in Johannes Schaafs „Im Schatten der Großstadt“. Er brillierte in Literaturverfilmungen wie Feuchtwangers „Exil“, Frischs „König Blaubart“, Walsers „Ein fliehendes Pferd“ oder Bölls „Gruppenbild mit Dame“ mit Romy Schneider. Als einem der wenigen deutschen Schauspieler gelang Glowna auch der Sprung auf das internationale Parkett, mit Filmen wie Chabrols Remake von „Stille Tage in Clichy“ oder Sam Peckinpahs Kriegsfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“.
Bei Krimis wie „Der Alte“ oder „Siska“ führte er auch selbst Regie. Einen großen Erfolg hinter der Kamera feierte er mit der Großstadtballade „Desperado City“, die 1981 beim Festival in Cannes als bestes Debüt geehrt wurde. Seine letzte Regiearbeit, die Romanverfilmung „Das Haus der schlafenden Schönen“, kam 2006 ins Kino.
In der Fernsehdoku „Tschechow in meinem Leben“ (1985) begleitete Glowna seine damalige Frau Vera Tschechowa nach Russland. Für Oskar Roehlers „Die Unberührbare“ wurde er für einen Deutschen Filmpreis nominiert, Lob gab es auch für „Schwabenkinder“ von Jo Bauer.
Glowna war ein Vielspieler mit einem Herz für die Rolle des Außenseiters. Wenn er im Krimi auftrat, witterten Fernsehzuschauer oft den Mörder.
Das Feuilleton-Etikett „Bösewicht vom Dienst“ mochte er nicht. „Die Strauchelnden, die ich spiele, sind meist ganz einfach nicht stark genug, sich aufrecht zu halten“, sagte Glowna einmal.
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Erstellt am: 27. Januar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 27. Januar 2012, 08:30 Uhr
Autor: Von Caroline Bock
