Mit Klassikern von Renft und Neil Young sowie neuen Liedern eröffnete Andreas Schir- neck am Sonntag den „Musiksalon“ 2006 auf Gut Geisendorf, dem Kulturforum der Lausitzer Braunkohle.
04.04.2006
Andreas Schirneck
Manchmal, so begrüßt Klaus Trende die Gäste, spielt das Leben eine andere Melodie als wir es uns wünschen. Denn eigentlich sollten an diesem Abend zwei Musiker vorn auf der Bühne stehen – Klaus Renft und Andreas Schirneck. Klaus Renft liegt indes seit einigen Tagen in der Klinik und kämpft gegen einen erneuten Ausbruch seiner Krebserkrankung. So ist sein musikalischer Partner allein gekommen. Doch Rocklegende „Jenni“ Renft lässt es sich nicht nehmen, per Handy einige Worte vom Krankenbett aus übers Konzertmikro an das Publikum zu richten. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, sagt er, und man werde ihn wieder sehen. Schon bald, auf der Bühne, dort wo er hingehöre. Der Beifall des Geisendorfer Publikums erreicht ihn durchs Telefon. Nein, Renft war keinen Moment dieses Abends abwesend! „Liebe und Leid wohnen in meinem Haus; wenn das eine grad aufsteht, wird das andre mit wach“, heißt es in einem der Lieder, mit denen Andreas Schirneck das Publikum begeistert. „Liebe und Leid“ ist auch der Titel des Konzertes. Es ist eine ausgefeilte Mischung aus Renftklassikern, Stücken von Folkrock-Maestro Neil Young und neuen Liedern. Mit seiner klaren Stimme und einem meisterhaften Harp- und Gitarrenspiel schmeichelt sich Schirneck gekonnt in die Köpfe und Herzen des Publikums. Es sind eher leise Töne, die den Abend prägen, Songs, die zum Nachdenken und manchmal auch zum Schmunzeln anregen. Lieder wie der „Apfeltraum“ oder das „Liebeslied“ bedürfen keiner Erklärung. Generationen ostdeutscher Musikfans sind die Titel gegenwärtig. So wie die Melodien von Neil Young, die längst zu Hymnen der Weltmusik geworden sind. Die besondere Beziehung zu dieser Musik kann und will Andreas Schir neck nicht verbergen, zu sehr ist er vom Meister des Folkrock geprägt. Er spielt und lebt die Musik auf seine Weise und erntet dafür den Applaus des Publikums. Die meisten der neueren Lieder sind so neu nicht. Sie wurden aus verschiedenen Gründen von der Renft Combo jedoch nie gespielt. Viele der Texte stammen von Gerulf Pannach, dem jahrzehntelangen Wegbegleiter der Klaus Renft Combo. So gesehen sind sie ein Stück Zeitgeschichte, widerspiegeln das fast fünfzigjährige Wirken von Renft. Zu den in der DDR verbotenen Liedern gehört „Sonne wie ein Clown“: „. . . ach, könnte ich auch ihm ’ne Sonne baun. Eine Sonne, die unter die Haut geht wie die Stimme von Bob Dylan, etwas rau. Eine Sonne,die nur Fröhlichkeit sät wie ein Clown“, heißt es darin. Auf seine Weise baut Andreas Schirneck seinem Freund Klaus an diesem Abend eine Sonne: eine aus Musik, die unter die Haut geht. Und dennoch, nicht nur bei der deutschen Version von „Helpless“ vermisst Schirneck „den Background an meiner Seite“, die tiefe Stimme seines Partners. Und was wäre Renft ohne das Gänselieschen und – als eine von mehreren Zugaben am Ende des Konzertes – den Baggerfahrer Willy. Das Konzert an diesem Abend folgte der Melodie des Lebens, keiner Wunschmelodie, aber einer, die dem Leben schrecklich nah und gerade deshalb von unschätzbarem Wert ist. „Musik“, so schrieb der Philosoph Franz Josef Wetz, „leugne weder Last noch Schmerz der menschlichen Existenz. Sie mache sie nur erträglicher.“ Nächste Veranstaltung im Geisendorfer Musiksalon: Samstag, 22. April, 19 Uhr, „London Beat“ – Solokonzert mit Mathew James White (Großbritannien), Gitarre & Gesang Von Siegfried Laumen