Musik der ruhigen Hand
Eric Clapton ist bekennender Fußballfan, weshalb es möglicherweise kein Zufall ist, dass er gerade in diesen Tagen durch Deutschland tourt.
In den Neunzigern, nach diversen persönlichen Schicksalsschlägen wie dem Unfalltod seines Sohnes Conor, kam der Brite mehr denn je auf den Blues, was in den vergangenen Jahren freilich auch ein Ausbleiben von Hits zur Folge hatte. Diesbezügliche Erwartungshaltungen der Fans ignoriert Clapton geflissentlich. Er muss niemandem mehr etwas beweisen und spielt, wie es ihm gefällt und das war auf seinem letzten Alben „Back Home“ eher wenig aufregend.
Dies lässt sich auch vom ersten Teil des Konzerts sagen, sofern man Aufregung im Sinne von Euphorie versteht. Die überwiegend älteren Besucher, von denen man etlichen ansah, dass sie nicht mehr so häufig Rockkonzerte besuchen, quittierten die Songs mit eher artigem denn ehrfürchtigem Applaus. Es ist halt immer wieder dasselbe: Die Leute wollen von ihren alten Helden vor allem die alten Hits hören. Zwar konnten Clapton und seine zwölf Mitmusiker mit Spielbrillanz und technischer Finesse beeindrucken. Dass der Funke zunächst trotzdem nicht recht übersprang, lag zum einen vielleicht am kühlen Wetter, zum anderen aber auch daran, dass Brillanz allein nicht automatisch zum Stimmungskatalysator bei Rockkonzerten taugt. Man hatte den Eindruck, als würde die technische Perfektion mehr Gediegenheit als Verwegenheit vermitteln.
Umso dankbarer schien das Publikum als mit „After Midnight“ endlich der erste Hitklassiker präsentiert wurde. Und als Clapton „Wonderful Tonight“ anstimmte, fegte gar ein Begeisterungssturm durch die Arena, den der Brite mit weiteren Althits locker und frohgemut am Toben zu halten vermochte. Besonders beim rockigen „Layla“ schien die Körpersprache der Fans zu sagen: Slow Hand ist ja schön und gut, aber so alt sind wir doch noch nicht. Und Clapton hatte verstanden, brachte den Leuten „Cocaine“ und als – einzige – Zugabe die alte Cream-Hymne „Crossroads“. Bei der griff auch der schwarze Bluesgitarrist Robert Cray, der das Vorprogramm bestritt, mit in die Saiten. Auch er ein exzellenter Spieler, doch zum heimlichen Favoriten unter den Gitarristen des Abends wurde inoffiziell ein anderer gekürt. Ein junger Blondschopf namens Derek Trucks beeindruckte das Publ ikum sowie Cray und Clapton gleichermaßen. Für diese beiden war es freilich keine Überraschung.
Extras zum Artikel
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 09. Juni 2006, 00:00 Uhr
Geändert am: 03. Dezember 2006, 21:19 Uhr
Autor: Von Gunnar Leue
