10. August 2010, 00:00 Uhr

Markenzeichen der Identität

32. Fest der sorbischen Poesie beendet

Bautzen Die sorbische Lyrik darf optimistisch in die Zukunft blicken. Das 32.

Fest der sorbischen Poesie, das am Wochenende in Bautzen und mit Lesungen im Hoyerswerdaer Lessing-Gymnasium sowie im dortigen Schloss beendet wurde, bestätigt dies überzeugend. Zu erlebem waren bekannte Dichter aus der Lausitz - Kito Lorenc, Benedikt Dyrlich, Benno Budar, Jurij Koch, Bernd Pittkunings, Roza Domacyna, Tomasz Nawka, Dorothea Scholze, Werner Meschkank und Elke Nagel. Zu ihnen gesellten sich ausländische Gäste wie Lojze Wieser (Österreich), Jan Krasnij (Serbien), Grigorij und Wolodimir Mowtschanjuk (Ukraine), Ursula Usakowska-Wolff (Polen), Milan Hrabál, Kliment Pinsk (Slowenien). Am Samstagabend zur »Bautzener Poesienacht« reihten sich junge talentierte sorbische und deutsche Dichter in den Reigen der Rezitatoren ein. Diese Veranstaltung war von der Bautzener Wasserkunst, die wegen des Hochwassers nicht zu betreten war, in den Saal des Sorbischen National-Ensembles verlegt worden. Einigen Dichtern blieb durch die Überschwemmung gar ganz der Weg nach Bautzen versperrt.

Sorbische Poesie sucht neue, moderne Formen, wie den Hip-Hop, überzeugend und emotional mit kritischen Texten über die Zukunft der sorbischen Sprache von Clemens Eckert und Matej Schön vorgestellt. Das zog viele Jugendliche an, die in späterer Stunde noch ein fein gestricktes Programm von »Konopej« mit Themen aus dem Alltag, der Natur, Liebe und mit gesellschaftskritischem Auge erlebten. Damit boten die jungen Künstler sowie die Mitglieder der Poetengruppe des Bautzener Steinhauses ihr Talent und Können überzeugend dar. Zuvor hatten die »alten Poeten-Hasen« in mehreren Sprachen Lyrik vorgestellt und zum Nachdenken über das Leben sowie zum herzhaften Lachen angeregt. Umrahmt mit slawischer Musik von der Band Kupazukow aus Leipzig war die Poesieveranstaltung ein gelungenes Erlebnis, auch wenn wegen des Unwetters die geplanten Erotikvorträge in den sonntäglichen Morgenstunden nicht im vollen Umfang stattfanden. Das Sorbische National-Ensemble zeigte einen Ausschnitt eines Estradenprogramms »Blunoer Hochzeit« - feurige Tänzen, frische Gesängen und bunte Trachten.

Poesie erklang auch am Sonntagnachmittag in mehreren Sprachen in der Krabatmühle in Schwarzkollm. Dabei erlebten die Besucher bei Plinsen und Kaffee auch Darbietungen der Zeißiger Tanzgruppe, die den sorbischen Volkstanz pflegt.

Bereits am Freitagabend war Poesie in mehreren Sprachen erklungen - im Hof des Dichters Benno Budar in Dreihäuser zu Ehren des sorbischen Malers und Schriftstellers Martin Neumann-Njechornski (1900-1990) und in Lohsa zu Ehren der Volksdichterin Agnes Buder (1860-1937).

»Unser 32. Fest der Poesie war trotz des Hochwassers in Bautzen ein großer Erfolg. Unsere Poesie ist ein Markenzeichen der sorbischen Identität, die mit ihr auch weiterhin bewahrt bleibt und sich weiter entwickelt«, wertete der Vorsitzende des Sorbischen Künstlerbundes Benedikt Dyrlich und Veranstalter das Festival.

Poet Igor Mowtschanjuk versprach in Schwarzkollm, im nächsten Jahr eine Anthologie der sorbischen Gegenwartsdichtung in ukrainischer Übersetzung herauszugeben.
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Erstellt am: 10. August 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 10. August 2010, 04:28 Uhr
Autor: Von Alfons Lehmann

Von Alfons Lehmann