10. Februar 2012, 00:00 Uhr

Jagd nach dem Goldenen Bären hat begonnen

Französisches Revolutionsdrama mit der deutschen Schauspielerin Diane Kruger eröffnete 62. Berlinale

Berlin Mit dem französischen Revolutionsdrama „Leb wohl, meine Königin!“ wurden am Donnerstagabend die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnet. Zum Auftakt des größten Publikumsfestivals der Welt kehrte eine deutsche Schauspielerin in ihre Heimat zurück, die es nach Hollywood geschafft hat.

Diane Kruger („Inglourious Basterds“) spielt im Eröffnungsfilm die schillernde Königin Marie Antoinette. Der im Mai in die Kinos kommende Spielfilm von Regisseur Benoît Jacquot schildert die Anfangstage der Französischen Revolution aus Sicht einer Dienerin von Königin Marie Antoinette am Hof Ludwigs XVI. im Schloss von Versailles.

Damit passt der Kostümfilm bestens zum diesjährigen Berlinale-Programm, in dessen Mittelpunkt vor allem Filme zu gesellschaftlichen Umbrüchen stehen. Und Diane Kruger überzeugt in der Rolle der Marie Antoinette wieder einmal als starke Charakterdarstellerin.

Kruger wurde 1976 in einer kleinen Gemeinde in Niedersachsen geboren. Die Liebe zum Kino hat ihr Großvater schon früh geweckt. Dazu erzählte die Schauspielerin einmal: „Mein Großvater ist der größte Heinz-Rühmann-Fan. Einmal im Monat ist ,Die Feuerzangenbowle' dran, und ich bin einfach damit aufgewachsen.“

Der Weg zum internationalen Leinwandruhm führte über die heimatliche Ballettschule, einen weltweiten Schönheitswettbewerb und die mit 16 Jahren gestartete Karriere als Model in Paris.

Nach wie vor angenehm natürlich auftretend, erzählt Diane Kruger dazu gern: „Als ich nach Paris gezogen bin, habe ich das französische Kino entdeckt. Als Model habe ich Leute aus der Filmbranche kennengelernt, die auch von der Schauspielschule geredet haben – da kam der erste Wunsch. Das Modeln war frustrierend geworden, langweilig. Vom Ballett-Tanzen vermisste ich auch die Bühne. Da sagte ich: Ok, jetzt ist Schluss, nun versuche ich es mal.“

Nach nur wenigen Rollen in französischen Spielfilmen kam 2004 der Durchbruch mit Roland Emmerichs „Troja“. Die Verkörperung der legendären schönen Helena brachte Kruger viel Ruhm und machte Hollywood auf sie aufmerksam. Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ brachte 2009 endgültig den Durchbruch. Besonders beeindruckend aber war Krugers Auftritt in dem französischen Familiendrama „Barfuß auf Nacktschnecken“. In diesem verhältnismäßig kleinen Film zeigte sie 2010 ihre ganze Bandbreite als Interpretin komplizierter Frauen.

Nach eigenem Bekunden sind es die Aufgaben in den sogenannten „kleinen Filmen“ in Frankreich, von denen sich die Schauspielerin besonders angezogen fühlt. Kruger, die das Schauspielen als „viel bereichernder als modeln“ empfindet, ist seit Jahren mit dem kanadischen Schauspieler Joshua Jackson liiert.

Dazu verliert sie in der Öffentlichkeit allerdings nicht viele Worte.

Über sich selbst verrät sie mit entwaffnender Offenheit: „Ich bin immer noch sehr egoistisch in meinem Leben, wenn es darum geht, meine Träume zu verwirklichen. Es gibt noch viele Träume wahr zu machen.“

Schmunzelnd bekennt sich Kruger zu ihren deutschen Wurzeln, wenn sie berichtet, dass sie sich von ihrer Mutter deutschen Kaffee an die jeweiligen Wohn- und Drehorte im Ausland schicken lässt.

Auf der Berlinale gehört Kruger seit einigen Jahren zu den Stammgästen. Sie hat in den letzten zehn Jahren mehrere Filme erfolgreich präsentiert. 2008 gehörte Kruger zur Internationalen Jury und entschied mit über die Vergabe des Goldenen Bären und der anderen Preise. In diesem Jahr gehört sie als Hauptdarstellerin des Eröffnungsfilms „Leb wohl, meine Königin!“ zu denen, die sich Hoffnung auf eine der renommierten Auszeichnungen machen dürfen.„Leb wohl, meine Königin!“ konkurriert mit 17 weiteren Filmen um den Goldenen und die Silbernen Bären der Berlinale. Insgesamt zeigt das Festival bis zum 19. Februar knapp 400 Filme aus aller Welt, rund 770 weitere Regiearbeiten werden auf dem European Film Market für offizielle Filmeinkäufer gehandelt. Drei deutsche Regisseure haben Bären-Chancen: Christian Petzold mit „Barbara“, Hans-Christian Schmid mit „Was bleibt“ und Matthias Glaser mit „Gnade“.

Zum Thema:

Hintergrund Rund 400 Filme laufen bei der 62. Berlinale (bis 19. Februar). Herz des Festivals ist der Berlinale-Palast am Potsdamer Platz. Dank des roten Teppichs, der aufgeregten Fans und der Fotografen kann man ihn gar nicht verfehlen.Stars des Festivals sind Angelina Jolie, Robert Pattinson und Shah Rukh Khan. Meryl Streep bekommt einen Ehrenbären. Auch Keanu Reeves, Billy Bob Thornton, Isabelle Huppert, Charlotte Rampling und Salma Hayek wollen kommen.Die Berlinale versteht sich als politisches Festival, zu ihren Themen gehören der arabische Frühling und die Katastrophe von Fukushima.Jurypräsident ist der britische Regisseur Mike Leigh. Im Wettbewerb laufen die Filme, die ins Rennen um die Bären-Trophäen gehen. Sehenswertes gibt es auch in den anderen Sektionen: etwa im Panorama mit seinen Arthouse-Filmen, im experimentierfreudigen Forum, in der nostalgischen Retrospektive oder im Kinder- und Jugendprogramm Generation. Im kulinarischen Kino gibt es nicht nur Filme, sondern auch Essen.Karten gibt es drei Tage vor der Vorstellung, sie kosten 8 bis 12 Euro.
Extras zum Artikel
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 10. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 10. Februar 2012, 01:55 Uhr
Autor: Von Peter Claus

Von Peter Claus