12. März 2010, 00:00 Uhr

Ein Hoch auf die vielseitigste Droge der Welt

Kultur macht größenwahnsinnig und gefühlsduselig – und das ist gut so

Glück Selbstgenuss, Betäubung, Stimulation – Kultur ist eine Droge und in jeder Geschmacksrichtung zu haben. Sie macht uns zwar nicht besser, aber versöhnt uns mit uns selbst.

Kulturglück hat viele Gesichter: Enthemmung bei „Rock am Ring“, Frohsinn bei der „Mega-Party der Volksmusik“, kultivierte Andacht im Kirchenkonzert. Fotos: Archiv
Das Thema Kultur und Glück ist uferlos, erwarten Sie nicht, hier alle Aspekte behandelt zu finden. Bekanntlich haben schon unsere Urahnen Zeichnungen an Höhlenwänden angefertigt und gewiss diskutierten sie am Lagerfeuer nicht nur logistische Probleme der Mammutjagd, sondern erfanden auch herzergreifende Geschichten, in denen schöne Frauen und mutige Helden eine Rolle spielten. Warum das so ist, möchte ich hier nicht erörtern.

Fest steht: Ohne Kulturproduktion und Kulturkonsum kann der Mensch offenbar nicht leben. Erwarten Sie nun aber keine Lobeshymne auf Kultur als Mittel der Völkerverständigung, Selbstfindung, Seelenläuterung, Welterklärung, Systemkritik und dergleichen. Kulturfrömmler nenne ich Leute, die über jede Gedichtzeile und Laientheateraufführung in Verzückung geraten und sie zum unverzichtbaren Menschheitserbe erklären, das unbedingt der staatlichen Förderung bedarf. Ich bin sehr skeptisch, was den Nutzen von Kultur für das Gemeinwohl betrifft. Dass auch böse Menschen Lieder haben, ist bewiesen.

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Erstellt am: 12. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 12. März 2010, 13:41 Uhr
Autor: Von Felix Johannes Enzian

Von Felix Johannes Enzian