Der große Geldregen ist noch nicht zu erwarten
Potsdamer Künstlermesse Art Brandenburg startet mit Lausitzer Beteiligung
Vom heutigen Freitag bis Sonntag findet die vierte Art Brandenburg in Potsdam statt. Noch nehmen nur wenige Lausitzer Künstler teil, doch das Renommee der Verkaufsmesse wächst.
Bei der Art Brandenburg in Potsdam läuft das Geschäft etliche Nummern kleiner ab. Weil die Künstler ihre Arbeiten in der Metropolis Halle persönlich präsentieren und verkaufen, wird die Schau nicht Kunstmesse, sondern Künstlermesse genannt. Die Selbstvermarktung erfolgt notgedrungen: „Die wenigsten Künstler in Brandenburg haben einen Galeristen“, sagt Daniela Dietsche, Geschäftsführerin vom Brandenburgischen Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BVBK). Der Verband habe die Messe vor sechs Jahren als Gemeinschaftsveranstaltung mit der Potsdam Messe GmbH ins Leben gerufen, „um einen Kunstmarkt für die Künstler des Landes zu schaffen“.
Seit 2005 findet die Art Brandenburg alle zwei Jahre statt. In 69 Messekojen stellen diesmal 89 Künstler und Künstlervereinigungen aus, sechs aus der Lausitz: Mona Höke, Matthias Körner, Rudolf Sittner sowie Hans-Georg Wagner aus Cottbus, Angela Willeke aus Doberlug-Kirchhain und Ararat Haydeyan aus Elsterwerda.
Insgesamt haben sich 125 bildende Künstler beworben, die Auswahl erfolgte durch eine Fachjury unter Vorsitz des ehemaligen Landeskulturministers Herbert Schirmer, teilt der BVBK mit. Das Spektrum der Exponate umfasse Malerei, Grafik, Bildhauerei, Performance- und Installationskunst.
„Ohne geht es nicht“, sagt Hans-Georg Wagner über die Art Brandenburg. Wegen des „Fehlens einer professionellen Galerienlandschaft“ in der Mark sieht der Cottbuser Holzbildhauer im Messeauftritt „die einzige Chance“, seine Werke einem großen Publikum vorzustellen. Preislich veranschlagen die Lausitzer Künstler für ihre Werke durchweg zwei- bis vierstellige Summen.
Ob sich die Präsenz in Potsdam für den einzelnen Künstler finanziell lohnt, ist unsicher. Durch Messeverkäufe und Nachverkäufe in den Ateliers habe die Art Brandenburg 2009 einen Gesamtumsatz „im sechsstelligen Bereich“ erzielt, schätzt Daniela Dietsche. Doch nicht unbedingt jeden trifft der Geldregen. Hans-Georg Wagner, Rudolf Sittner und Matthias Körner haben nach eigenen Angaben schon „enttäuschende“ oder gänzlich ausbleibende Verkäufe in früheren Jahren erlebt. Wagner zufolge war seine bisher höchste Messeeinnahme ein vierstelliger Betrag.
Den erhofften Verkäufen stehen Aufwendungen gegenüber. Dank öffentlicher Förderung kostet die kleinste Messekoje mit sechs Quadratmetern moderate 270 Euro Miete, hinzu kämen allerdings noch Kosten für Anreise, Übernachtung und Ausstellungsmaterialien, rechnet Hans-Georg Wagner. „Das kann sich nicht jeder leisten“, mutmaßt der Bildhauer auf die Frage, warum sich bisher nur wenige Lausitzer in Potsdam vermarkten.
Laut Daniela Dietsche zielt die Art Brandenburg nicht nur auf die Ankurbelung des Kunstmarktes, sie sei auch eine wichtige „Informationsplattform“, die Kontakte zwischen Künstlern, Galeristen und anderen Kunstinstitutionen wie Museen und Hochschulen stifte. Dort würden beispielsweise Lehraufträge vermittelt.
Die Lausitzer Künstler, die bisher in Potsdam dabei sind, sind von der Art Brandenburg als ökonomischem und kulturellem Erfolgsmodell überzeugt.
„Die Messe hat sich etabliert und einen Ruf bekommen“, sagt der Cottbuser Grafiker und Maler Rudolf Sittner. „Der Qualitätsstandard ist da“, ergänzt Hans-Georg Wagner. Er erwarte, dass die Messe bald auch in der öffentlichen Wahrnehmung einen Durchbruch erlebe. Das Publikum ist von 2005 bis 2009 kontinuierlich gewachsen: von 2500 auf zuletzt 3500 Besucher. Werbeanzeigen in der Fachpresse sollen überregionale Aufmerksamkeit schaffen, sagt Daniela Dietsche. Politische Rückendeckung ist da: In diesem Jahr wird die Art Brandenburg auf Vorschlag des Landeswirtschaftsministeriums von der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung als „Bewegungsmelder 2011“ ausgezeichnet. Diese Ehrung geht an bundesweit 16 Projekte, die Impulse für die Kreativwirtschaft setzen.
Für die Künstler, die oft zurückgezogene Arbeit im Atelier gewohnt sind, ist die Selbstvermarktung im Messetrubel nicht unbedingt eine leichte Aufgabe. „Man muss sich ein bisschen überwinden, mir tut das gut“, sagt Matthias Körner. Der Maler hat mit seiner Cottbuser Kollegin Mona Höke und dem Berliner Fotografen Alexander Janetzko in Potsdam einen Gemeinschaftsstand. Auf diese Weise könnten sich die drei während der anstrengenden Messetage gegenseitig helfen und ablösen.
Art Brandenburg, Metropolis Halle im Filmpark Babelsberg, Großbeerenstraße. Öffnungszeiten: 4. und 5. November von 11 bis 20 Uhr, 6. November von 11 bis 18 Uhr. Eintritt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, Abendticket (ab 16 Uhr) 5 Euro, Dauerkarte 14 Euro.
Extras zum Artikel
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 04. November 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. November 2011, 02:39 Uhr
Autor: Von Felix Johannes Enzian
