20. März 2008, 00:00 Uhr

Der Bagger als Künstler

Als geistiges Rettungsboot in einem Ozean der Veränderung ist das Gut Geisendorf vor zehn Jahren als Kulturforum erhalten worden. Die jüngste Ausstellung «Landschaft im Wandel – Luftbilder aus dem Welzower Revier» hebt diese Rolle hervor. Die Tagebau-Aufnahmen bieten dreierlei: Sie ermöglichen gerade Betroffenen einen ungewohnten Blick auf ihre umgewälzte Heimat, haben ästhetischen Reiz und regen zum Nachdenken an. Die Macht des modernen Menschen, die Grundfesten seiner Welt aus den Angeln zu heben, erzeugt eine Faszination, in die sich Schrecken mischt.

Distanzierter Blick auf die Heimat: Ausstellungsbesucher studieren die Luftbilder auf Gut Geisendorf. Foto: Hartmut Rauhut
Üblicherweise werden in den Gut Geisendorfer Ausstellungen Kunstwerke gezeigt – Gemälde, Gobelins oder etwa Skulpturen von berückender und manchmal verstörender Art. Auch diesmal kann man meinen, Kunst zu betrachten. Die erdfarbenen Schrunden, Schraffuren, Rippen und Ausfransungen der Tagebau-Kippe, die Geometrie der Felder, Wälder und Siedlungen erinnern verblüffend an die Collagen des Senftenbergers Bernd Gork. Das Vokabular, mit dem Siegfried Laumen, der Interimsleiter des Kulturforums, die Landschaftsaufnahmen im Gespräch kommentiert, entstammen teilweise ebenfalls der Sphäre der Kunst. Er spricht beispielsweise von «Reliefs» und vom «Modellieren» , als wären die Abraum- und Kohle-bagger feinsinnige Bildhauer.
Tatsächlich erscheint das, was sich vor Ort oft als Verwüstung darstellt, im distanzierten Überblick als planvolles Walten eines übermenschlichen Schöpfers.
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Erstellt am: 20. März 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 20. März 2008, 15:02 Uhr
Autor: Von Felix Krömer

Von Felix Krömer