Auf dem Töpfchen mit Händels „Wassermusik“
Die Potsdamer Kabarettistin Barbara Kuster schießt scharf an der Neuen Bühne Senftenberg
Senftenberg Die Kabarettistin Barbara Kuster aus Potsdam war am Montagabend zu Gast in der Reihe „Kabarett à la carte“ an der Neuen Bühne Senftenberg. Motto: „Ab 20 Uhr wird zurückgeschossen“.
Ach ja, die Gesundheit ist ein besonderes Thema. Da verlässt sich Barbara Kuster nicht auf die Medizin, nur auf sich selbst: „Zum Beispiel ein sich ankündigender Herzstillstand. Kennen Sie nicht? Kommt noch. Also: Eine Steckdose hat ja jeder zu Hause. Zwei Finger angeleckt, und rein damit . . .“
Bei Barbara Kuster scheint diese Methode zu wirken, eine Schnarchnase auf der Bühne sieht anders aus. Ihre stärksten Momente hat sie bei den musikalischen Einlagen. Die Tina-Turner-Parodie ist legendär, Kuster schreckt aber auch nicht vor Rammstein oder der „Hecheltechnik“ junger Möchtegernsuperstarsängerinchen zurück. Tatsächlich war sie ursprünglich Rocksängerin, hat bei namhaften Bands wie Modern Soul am Mikrofon gestanden.
„Vom Monopoly“
Gute Ausbildung schadet also nicht. Gute Bildung wäre auch schon ganz gut, aber „die ist ja heutzutage unter aller Sau. Goethe? Den kennt man noch. Vom Monopoly: Goethe-Straße.“ Da hört's aber auch schon bald auf: „Kennst du ‚Die Leiden des jungen Werther'? – Wieso hat der gelitten, der kriegte doch immer so schöne Bonbons von seinem Opa?“
Früher war's allerdings auch nicht so schick: Als die Kleinen im Kindergarten auf dem Töpfchen das Parteistatut aufsagen mussten. „Und wer dabei nicht zu Stuhle kam, musste zur Strafe bis zum Mittagessen Friedenstauben falten. Mein Gott, was haben die geschrien!“ Was für tolle Alternativen für die „artgerechte Selektierung bei der Kindergartenhaltung“ gibt's dagegen heute! „Wo auf dem Töpfchen die ,Wassermusik' von Händel eingespielt wird!“ Was jedoch fatale Spätfolgen haben kann, wenn die Reflexe verfestigt sind. Beispielsweise dereinst in einem Philharmonischen Konzert . . .
Andererseits kann man die Erziehung nun nicht völlig Kindergarten und Schule überlassen, stellt Frau Kuster für sich fest und legt demnächst zum Geburtstag der Tochter Platten auf: Eine bunte Mischung von „Hoch auf dem gelben Wagen“ über „Satisfaction“ von den Stones hin zu Abbas „Super Trouper“. Denn: „Weil wir jung sind, ist die Welt so schön!“
Die Geheimwaffe
Und weil die Welt so schön ist, ziehen wir in sie hinaus. Auf nach Afghanistan, Barbara Kuster stellt sich als Geheimwaffe zur Verfügung! Der Krieg/der humanitäre Einsatz/die Friedensmission – was auch immer das dort ist – wäre im Handumdrehen erledigt!
„Wir haben ja daheim auch genug am Hals. Russen zum Beispiel. Früher sind sie mit Panzern gekommen, heute kommen sie durch die Gasleitung.“ Und kaufen Fußball-Vereine und Konzerne. Wer (noch) Russisch spricht, ist klar im Vorteil. Denn bald werden die Schaffner bei der Deutschen (?) Bahn auch nur noch Russen sein . . .
Andererseits können wir ja auf die deutsche Alphafrau Merkel bauen, „die alles durchzieht, die muss einen Stahlkern eingearbeitet haben. Angela, du Eurowärter, das Leben ist hart, doch du bist härter!“ Sie wird schon alles richten.
Und wenn nicht, flüchten wir uns mit Barbara Kuster in die heile Welt eines Heimatfilms der 50er-Jahre. Hollollollodriho!
Das Publikum im Saal der Neuen Bühne Senftenberg fordert Zugaben, bekommt zwei, und hat sich warm gelacht. Was nicht ganz unwichtig ist, denn der Kuschelfaktor auf nächtlichen Heimwegen ist ja in diesen Tagen alles andere als hoch.
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 08. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 08. Februar 2012, 03:28 Uhr
Autor: Von Peter Blochwitz
