Das auf einen Wert von 500 000 Euro geschätzte Buch wird vom 17. Juli an in der Ausstellung zum 200-jährigen Bestehen der Graphischen Sammlung in Stuttgart zu sehen sein, wie der Direktor der Staatsgalerie, Sean Rainbird, am Montag mitteilte. Das Buch galt rund 60 Jahre lang als im Krieg verbrannt - bis es 2004 plötzlich bei einer Sotheby's-Auktion in New York wieder auftauchte. Ein US-Gericht sprach es Baden-Württemberg zu. Vergangene Woche kehrte es nach Stuttgart zurück.
Kunstminister Peter Frankenberg (CDU) hofft, dass nun nach und nach weitere Kulturgüter wieder zum Vorschein kommen, die längst als verloren gelten. «Das Urteil des New Yorker Gerichts zeigt, dass solche Objekte zurückgegeben werden müssen.» Er richtete auch einen Appell an die Auktionshäuser, «Beutekunst» mit eindeutigen Stempeln - wie sie das Stuttgarter «Augsburger Geschlechterbuch» trägt - den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben.
Die Stadt Augsburg erhebt derweil keine Ansprüche. Das Buch gehöre eindeutig nach Stuttgart. «Der Nachweis lässt sich glasklar führen», betonte der Direktor der Staatsbibliothek Augsburg, Helmut Gier, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Seinen Erkenntnissen zufolge ist es um 1800 rechtmäßig nach Stuttgart gelangt.
Das «Augsburger Geschlechterbuch» gehörte zu den Beständen der Staatsgalerie Stuttgart. Im Zweiten Weltkrieg wurde es wie rund 55 Gemälde, 69 Kunstwerke wie Grafiken und etliche Bücher nach Schloss Waldenburg im Hohenlohischen ausgelagert, wie das Haus berichtete. Das Schloss wurde angegriffen und brannte nieder. Außerdem wurden im Krieg auch die Bestandslisten der Staatsgalerie zerstört, wie Direktor Sean Rainbird berichtete.
Auf der Liste der verlorenen Kunst («Lost Art») der Staatsgalerie stünden rund 800 Bücher und Druckgrafiken etwa von Albrecht Dürer (1471-1528). Die Hoffnung gebe es, dass weitere Kulturgüter zurückkehren, sagte Innenminister Heribert Rech (CDU), der das Buch vergangene Woche eigenhändig in Washington abholte. Konkrete Hinweise habe er aber nicht.
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