“Sie war mein Vorbild„, sagt die inzwischen 55-jährige Enkelin. “Ich habe sie immer bewundert und wollte so werden wie sie.„ Bereits als Kind hat sie die Großmutter, die ihr Ehrenamt bis zu ihrem Tode ausübte, gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Marlies auf diesen Gängen in Forst begleitet. Diese Erfahrungen und das kirchliche Elternhaus haben Irene Pawlowski früh geprägt.

Als die eigene Mutter im Alter Pflege benötigte, haben die beiden Schwestern diesen Liebesdienst gemeinsam übernommen. “Ich hatte dafür meine Arbeit in einer Krankenkasse aufgegeben. Nach dem Tode meiner Mutter fiel ich jedoch in ein tiefes Loch„, so die Forsterin.

Kurzerhand nahm sie an einem Kurs teil, in dem Entspannungstechniken vermittelt wurden. Eine der Teilnehmerinnen berichtete über ihre ehrenamtliche Arbeit beim Besuchsdienst. “Vielleicht wird dafür noch jemand gebraucht„, hoffte Irene Pawlowski.

Neue Erfahrung

Inzwischen ist sie seit drei Jahren nach eigenen Angaben “mit Leib und Seele„ dabei. “Dieser hautnahe Kontakt zu den älteren Menschen war nach jahrzehntelanger Arbeit am Schreibtisch eine ganz neue Erfahrung. Es ist ein großer Gewinn für mein eigenes Leben„, sagt sie. Die Frauen vom Treff sind inzwischen zu guten Freundinnen geworden. Gemeinsam reinigen sie die Kirche, richten Sommerfeste aus und unterstützen den Pfarrer bei der Gemeindearbeit. Alte, Kranke und Vereinsamte, deren Lebenspartner verstorben sind, oder deren Kinder der Arbeit halber die Region verlassen haben, werden von ihnen betreut. “Dabei spielt es auch keine Rolle, ob sie unserer Kirchengemeinde angehören. Auch wer nicht kirchlich gebunden ist, kann uns den Wunsch nach einem Besuch und Gesprächen signalisieren„, erklärt Irene Pawlowski.

Der monatlich stattfindende Rentennachmittag, zu dem stets ein Referent eingeladen wird, sei ebenfalls ein offener Rentnerkreis, bei dem jeder Besucher willkommen ist. Auch die Geburtstage der älteren Noßdorfer werden nicht vergessen. “Sie freuen sich immer riesig, wenn wir vorbeischauen„, so die Ehrenamtliche.

Mitstreiterinnen gesucht

Der 92-jährige Günther Seelig und seine Ehefrau Lissi (86) strahlen, als sie vor der Tür steht. “Wir sind seit einer Ewigkeit miteinander verheiratet und können am 29. Juli auf unseren 66. Hochzeitstag zurückblicken„, sagen beide. Angeregt erzählen sie von ihrem Alltag. Viele Erinnerungen reichen weit zurück, berühren die entbehrungsreiche Kriegs- und Nachkriegszeit. Zahlreiche Geschichten aus ihrem Leben haben sie ihrer Besucherin in den vergangenen Jahren anvertraut. “Es ist eine wunderbare Aufgabe, die Zufriedenheit vermittelt„, berichtet diese.

Gern würden die Frauen vom Besuchsdienst noch weitere Mitstreiterinnen in ihrem Kreis begrüßen. Doch die eigene Familie müsse bei diesem zeitintensiven Ehrenamt dahinter stehen, betont die Betreuerin.